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Das Vorwort

Verehrte Leser dieser Zeilen, ja und ich spreche Sie bei diesem Tun an, ich erwarte eine Leserin, einen Leser, einen Menschen, der (noch) liest. Nein es gibt an dieser Stelle keine bunten Bilder, keine offensichtliche Aufheiterung, da es sich um eine ernste Angelegenheit handelt.

Ich hatte unlängst die Idee, ein Vorwort zu verfassen, ein Vorwort zu einem Buch, das es nicht gibt, das es nie geben wird. Ein Vorwort zu einem Buch das nur drei Seiten Umfang haben würde. Das Vorwort wäre 186 Seiten lang, wäre eine Hinleitung zu diesen drei Seiten. Das Buch an sich wäre ein verbaler Schmerzpunkt, eigentlich nicht das Papier wert, auf dem es gedruckt worden wäre. Der Verfasser das Buches, völlig unfähig, kein Literat, ja geradezu ein Stümper, aber übervoll von diesem Wahn beseelt ein Buch schreiben zu müssen. Hätte ich ihn abhalten sollten? Es folge ein jeder seiner Bestimmung, seiner Passion auf seine eigene Weise.

Was ist also die Funktion meines Vorworts? Ich möchte Sie davon abhalten, sich meine Website anzusehen, in meinem Portfolio zu stöbern. Ich möchte Sie daran hindern, sich meine Arbeiten anzusehen. Sie sind veraltet, es gibt neue Arbeiten, aber ich müsste alles aktualisieren und um ehrlich zu sein, ich komme einfach nicht dazu. Mein Schmerzpunkt.

Aber halt, bleiben Sie wo Sie sind, ich möchte Sie entführen, um mit Ihnen wieder an diesen Punkt zurückzukehren, um Sie durch eine Handlungsanweisung am Schluss, in eine ganz andere Richtung zu lenken, als Sie es sich im Moment vorstellen können. Folgen Sie mir, folgen Sie mir in diesen scheinbaren Irrgarten. Ich habe etwas mit Ihnen vor, bleiben Sie mir gewogen, es wird sich ganz bestimmt lohnen.

1994 begann eine große Liebe. Ich traf sie zum ersten Mal in Wien. Sie war unglaublich, in der ganzen Stadt hing ihr Plakat. Ich folgte ihren Spuren, ich konnte nicht widerstehen. Am Ziel angekommen, hing sie an der Wand in einem wundervollen, abgedunkelten Raum. Ich war fasziniert, hingerissen. In der Stadt war sie übergroß, in Wirklichkeit nur 20 cm hoch, zierlich, aber voller Kraft, voller Elan in dieser Bewegung, dennoch für immer verharrend. Hingepinselt als Allegorie für eine zukünftige Bedeutung, die sich in diesen oder jenen Tagen für alle von uns offenbaren wird.

Etwas Unglaubliches geschah. Ich hatte noch nie so etwas Schönes, Bezauberndes gesehen. Wo kam Sie her? Wer hatte sie gemacht und wozu? Es geschah Faszination, Passion, Liebe zu etwas, das eine Botschaft aus vergangenen Tagen war. Diese Farben, diese Anmut, diese Komposition, diese Ernsthaftigkeit im Ausdruck. All die Jahre sollte ich sie nicht vergessen, meine Schöne (Ihnen kann ich es gestehen, da nur wenige Leser bis hierher gefolgt sein werden, somit gehören Sie bereits zu den Auserwählten) meine Angebetete.

Ich erwarb einen dieser halbtoten Kunstdrucke, um wenigstens einen Hauch an Erinnerung davontragen zu können. Sie hing an unterschiedlichsten Orten, sie hat viel gesehen. Vor allem mich, im Wandel der Zeit. Bisweilen musste sie hinter meinem Kleiderschrank verstauben, ja auch eine große Liebe braucht hie und da eine Pause. Inzwischen ist sie wieder da, voll und ganz, sie hat einen güldenen Untergrund verdient und ihr gehört meine unerschütterliche Treue.

Ich sah sie 2011 wieder. An einem Ort, der ihrer nicht würdig war. Ja, man kann sagen was man will, ja es war im Louvre, aber nein, mein Juwel hätte einen besseren Ort verdient. So nicht, so hätte man sie nicht hängen dürfen. Sie hing zwischen all diesen hochberühmten Werken. Ich stand vor ihr und machte mich ganz privat. Ich bedauerte für sie das schlechte Licht, meine Augen versuchten diesen Moment für immer festzuhalten, ich machte sie zum Staubsauger, zum Konservator, kein Pinselstrich sollte vergessen werden. So nah trat ich heran, wie es eben gerade noch erlaubt war. Ich hätte weinen können. All die Jahre war ich getrennt von ihr. Selbst die Mantegna-Ausstellung 2009 habe ich aus schnöder Dummheit verpasst. Lediglich der Tod hätte mir einen anerkennbaren Grund geliefert. Und jeder, der jemals geliebt hat, von ganzem Herzen geliebt hat, wird verstehen, es gibt nur das Original!
Ich sah auf die Uhr, wie lange konnte ich bleiben? Soll ich mich im Louvre als Wachpersonal anwerben lassen? Soll ich in Paris bleiben, ein Zimmer mieten, eine Jahreskarte für den Louvre erwerben? Mein Körper half mir bei meiner Entscheidung, ich musste auf Toilette, außerdem bekam ich langsam Hunger. Ich verließ diesen Saal wie eine Jeanne d´Arc. Keiner sollte sehen wie ich unter diesem Abschied litt. Es war dieses "nie wieder" unter dem ich litt. Ich werde nie wieder nach Paris reisen, um sie zu sehen. Ein Abschied für immer. Tag für Tag offenbart sie Ihre Bedeutung für mich als Begleiterin in meinen Gedanken, in meinem Herzen. Haben wir eine Bedeutung für uns zur Gänze erschlossen, so lieben wir nicht mehr sehnend, sondern sind erfüllt und eins geworden, aber soweit bin ich nicht, das ist mir klar.

Ich wurde also zu einer Kunstliebhaberin. Meine Passion führte mich an diesen und jenen Ort und ich bin noch nicht an allen Orten angekommen. Ich bin eine Sammlerin, die immer wieder fündig wird, die sich freut, wenn sie italienische Renaissance in der gegenwärtigen Kunst entdeckt. Bill Viola hat mich fasziniert. Ich wusste sofort: also auch er. Wer "The Greeting" kennt, weiß wovon ich gerade spreche.

Sie sind mir nun tapfer gefolgt und ich möchte Sie gerne belohnen. Sollten Sie wissen, von welchem Gemälde ich sprach, so freue ich mich, wenn ich Sie gedanklich berühren durfte, sollten Sie es jedoch nicht wissen, so schreiben Sie mir und ich werde Ihnen die Auflösung schicken.
daniela(at)sgiarovello-design.de

Allerdings möchte ich Sie viel lieber in den Louvre schicken, damit Sie sich selbst ein Bild davon machen können. Wie gesagt, es gibt nur das Original!

Falls sich an dieser Stelle noch jemand fragt, was dieses Vorwort mit Grafik-Design zu tun hat, so will ich das gerne erklären:
daniela(at)sgiarovello-design.de

Falls jemand nun völlig irritiert zurückbleibt:
daniela(at)sgiarovello-design.de

Falls Sie trotz dieses Vorworts mit einem konkreten Auftrag auf mich zukommen wollen, tun Sie das, auch Sie tragen hiermit dazu bei, dass ich meine Website nicht aktualisieren werde. Schreiben Sie mir, ich kann sehr gut damit leben, Vorwörter zu schreiben und Sie offensichtlich damit, welche zu lesen.

 

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