Haptik oder das bookBOOK von IKEA

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The Tube: Papier mit besonderer Haptik von Favini //
 

Unlängst erhielt ich einen der vielen Newsletter, die ich noch nicht abbestellt hatte: Die Papierunion informiert mich über die neuesten Sondereditionen, denn u.a. hatte Favini ein völlig neues Produkt auf den Markt gebracht: The Tube. War es eine Laune oder doch Intuition? Jedenfalls bestellte ich das kleine Buch und siehe da: Was für ein sagenhaftes Papier hatte ich da plötzlich in der Hand! Weich, samtig, matt, tiefgründig, geschmeidig nahm es die gedruckten Motive auf. Die verwendeten Sonderfarben und Lacke ließen jegliches 4c-Onlinedruckergebnis blass in sich zusammensinken.

Favini, ein italienischer Papierhersteller und Oberflächenveredler, hat demzufolge nicht nur seine Sicherheitspapiere im Sortiment, sondern auch einen Sinn für innovative Papiere im grafischen Bereich. Ich freue mich nun sehr auf den nächsten Kunden, der ein untrügliches Gefühl für den Wert von Haptik hat. Tagtäglich berühren wir viele Dinge, drehen und wenden sie mit unseren Händen, die Informationen nehmen wir meist unbewusst auf. Als Kinder ertasten wir uns die Welt, wir begreifen sie im wahrsten Sinne des Wortes, denn Tastempfindungen und kognitive Leistungen sind aufs engste miteinander verbunden. Neurophysiologische Untersuchungen zeigen, dass Denkprozesse in denselben Arealen des Gehirns abgebildet werden, in denen auch Sinnesreize verarbeitet werden.

Deswegen, was liegt näher als es neu zu erfinden: das BOOKbook. Der neue IKEA-Katalog wird vorgestellt, als wäre es das neueste, innovativste Produkt von Apple: Kabel? Keine Kabel! Ladezeit? Kein Ladezeit! Navigation? Einfach anfassen und blättern! Genial! Dass BOOKbook von IKEA!

 

 

Wussten Sie, dass Sie mit Ihren Fingerkuppe Sachen ertasten können, die nur 13 Nanometern  klein sind? Das entspricht einem sehr großen Molekül. Diese feinen Unterschiede spüren Sie nur mit den Händen! Deshalb ist es z. B. für Hersteller schwierig, Kunststoffe so zu bearbeiten, dass sie sich wie Naturmaterialien anfühlen. Der Mensch fühlt diesen Betrug.

Deswegen gibt es inzwischen das sogenannte „Haptik-Design“. War dieser Sinn in der Antike noch hoch angesehen, so wurde er im  Mittelalter als niederer Sinn abgetan. Doch die Automobilindustrie hat ihn wiederentdeckt. Man spricht sogar von einem „haptischen Fingerabdruck“ innerhalb dieser hart umkämpften Markenwelt. Die Reizüberflutung im visuellen Bereich kennt keine Grenze und keine Erholung mehr, ebenso wurde der Gehörsinn ausreichend strapaziert. Daher freuen wir uns doch sehr über einen Sinn, der neu bespielt werden kann! An das vibrierende Handy haben wir uns gewöhnt. Soll das Display nun auch echtes Papier simulieren oder  wäre es nicht  ein ebenso gewagter Schritt wieder echtes PAPERpaper mit unseren Fingern zu betasten?

Links und Quellen:
Visual Book THE TUBE gratis bei Papierunion bestellen: beratung@papierunion.de
www.favini.com
www.haptica.biz
www.ikea.com

 

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