Japonisme im Kunsthaus Zürich

Japonisme_AusstellungWas mag sie wohl beim Anblick dieses Monets gedacht haben? Damals hatte Monet einen Garten nach japanischem Vorbild gestaltet und malte von nun an nur noch Seerosen. Entspricht nun dieses Gemälde ihrem Sinn von Ästhetik?

 

Nun muss ich gestehen, ich habe mich für die französischen Künstler nicht wirklich brennend interessiert. Natürlich wurden für die Ausstellung berühmte und bekannte Impressionisten ins Feld geführt und nach vorne gedrängt: Gauguin, Monet, van Gogh! Ausreichend erwähnt und beschrieben, daher bin ich so frei und konzentriere mich bei der Sache auf Japan und meinen persönlichen Eindruck von dieser Ausstellung: „Inspiration Japan“ im Kunsthaus Zürich.

So begann es: Den Amerikaner haben wir wahrlich viel zu verdanken, denn in den 1850er Jahren „befreiten“ sie Japan von der selbstgewählten Isolation und bescherten der europäischen Kunstwelt einen ganz neuen Trend: Den Japonisme. Zwei Weltausstellungen in Paris (1867 und 1878) reichten aus: Alle waren hingerissen. Schon bald konnte man den neuen Einfluss sehen, die Gemälde und Holzschnitte veränderten sich, andere Motive und Sujets wurden bevorzugt. Die Begeisterung ist durchaus verständlich, denn der japanische Stil ist erfrischend anders. Geprägt wird er durch die klaren, feinen Linien, die ungewöhnlichen Anschnitte und die flächige Verwendung von Farbe, was wohl der Technik des Farbholzschnitts geschuldet ist. Ungewöhnlich sind auch angeschnittene Motive im Vordergrund. Dadurch entstehen Tiefe und Dynamik.

Wovon die Franzosen begeistert waren, war aber in Japan keineswegs hochstehende Kunst, sondern die alltäglichen Motive des Ukiyo-e-Genres (Bilder der fließenden Welt). Damals suchte das aufstrebende Bürgertum in den Städten das Vergnügen und es waren die Motive des Alltags, des Theaters, der Freudenviertel und des ausschweifenden Lebens, also der diesseitigen Welt, welche in den Holzschnitten verewigt wurden. „Bilder der heiteren, fließenden Welt“ hielten ganz profane Szenen fest: u.a. badende Damen, stillende Mütter, sich kämmende Frauen und nicht zuletzt Berühmtheiten des Theaters und der feinen Gesellschaft. Dabei entstand eine eigene Industrie, um die Motive einer breiten Masse zugänglich zu machen. Gerade bei diesen Sujets erinnern wir uns ganz besonders an Toulouse Lautrec und an seine Plakate, an die Motive aus dem Moulin Rouge, an die bewegten und ungerührt angeschnittenen Figuren, die klaren Umrisse, die großen farbigen Flächen … perfekte Genrebilder nach dem japanischen Vorbild.

 

Kunsthaus Zürich Utamaro


Links ein Motiv von Kitagawa Utamaro, rechts ein ähnliches Sujet von einem franz. Künstler. Bei Utamaro fällt das Kind regelrecht aus dem Bild. Selbst wenn das Motiv rechts eine ähnliche Anmutung hat, so sind der Aufbau und die Wahl des Ausschnitts außerordentlich gemäßigt: Brav bleibt das Motiv zentriert im Bild und verhält sich keineswegs so ungestüm und dynamisch wie beim japanischen Original.

Welle_HokusaiDieser Holzschnitt ging um die ganze Welt: Hokusai und eine seiner 36 Ansichten des Fuji. Wussten Sie übrigens, dass er die allerersten Mangas zeichnete? Manga bedeutet so viel wie „ungezügeltes/zwangloses Bild“.

 

Ein besonders bekannter Vertreter des Ukiyo-e-Genres war der Maler Katsushika Hokusai. Die 36 Ansichten den Fuji sind bezaubernd, besonders die große Welle (siehe oben) ging um die ganze Welt, ein unglaublich spannungsgeladenes Bild, das wohl jeder kennt. Wie erfreulich also, dass es auch in Zürich zu sehen ist. Und so gibt es einige Exponate, die mein Herz höher schlagen ließen, u.a. auch die Werke von Utamaro. Bedauerlicherweise fand ich aber kein würdiges Ambiente vor: Die Werke wurden nicht so präsentiert, wie ich es mir gewünscht hätte, denn die Welle von Hokusai hing lieblos und brav in einer Reihe mit anderen Abbildungen des Berges Fuji. Keine Farbwelten wurden durch das Bemalen der Rückwände geschaffen, es entstand keine Atmosphäre, es gab keinen Höhepunkt, selbst die Beleuchtung ließ meist zu wünschen übrig.

Nun ist es immer leicht Kritik zu üben. Ich weiß nicht, wie die Ausstellung geplant wurde, welches Budget zur Verfügung stand, allerdings habe ich in Zürich bereits wesentlich durchdachtere und besser aufbereitete Ausstellungen gesehen. Wie auch immer, ich habe sehr viele wichtige Erkenntnisse gewonnen und kann die Ausstellung sehr empfehlen.

 

Unter diesem „E“ lagen die Ausstellungskataloge. Ein Titel, der allerdings Fragen aufwirft.

Kunsthaus Zürich

Inspiration_Japan_Katalog_Titel

 

Ach, und der Ausstellungskatalog! Ich wundere mich sehr über den Titel und das Layout. Auch waren die Bildvorlagen farblich nicht immer optimal, manch ein Bild war kaum mehr wiederzuerkennen. Fast schon möchte ich fragen: Wie konnte das passieren? Ebenso wurde beim Plakat die einmalige Chance vertan, das Zusammentreffen dieser beiden unterschiedlichen Welten auf den Punkt zu bringen. Das hätte man durchaus schöner, besser, aufregender und schlüssiger gestalten können.

 

Plakat_Kunsthaus_Zuerich
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