Kunst und Krieg – Kriegskunst

Kees_van_DongenKees van Dongen: Mädchenakt um 1907. Kunsthaus Zürich 2014

Die Ausstellung „Expressionismus in Deutschland und Frankreich: Von Matisse zum blauen Reiter“ im Kunsthaus Zürich bot fürs erste Altbekanntes: Ja klar, natürlich, der Expressionismus. Darüber wissen wir doch Bescheid. Nach der Ausstellung war ich außerordentlich betroffen: Das Bindeglied „Kunst“ umfing eine ganze Generation. Die Grenzen existierten nicht, Inspiration und Austausch blühten auf der Leinwand, als wäre immerzu Frühling, Sommer, niemals Herbst und Winter. Kees van Dongen, einer der in Paris war, ein Wilder, schloss sich 1909 der Brücke in Dresden an. Blieben die deutschen Maler wild, so forderten die französischen Maler Bedachtsamkeit. Wie Wellen flossen die Strömungen ineinander. Wer dennoch um Unterscheidungen und Theorien bemüht war, wurde regelrecht überwältigt von der Farbenpracht der Bilder von Alexej von Jawlensky.

2014 beendet ein außerordentlich effizienter Schnitter diesen „Wildwuchs“. Einige Künstler versuchen sich in der Schweiz in Sicherheit zu bringen, andere ließen ihr Leben in diesem Krieg: 1914 fiel August Macke, im März 1916 Franz Marc. Freundschaften zerbrachen, Gruppen lösten sich auf. 1912 schrieb Kandinsky an Marc: „Die schrecklichen Möglichkeiten können sich in’s Unendliche entwickeln und die schmutzigen Folgen werden lange ihre stinkende Schleppe über den ganzen Erdball ziehen.“ Wie recht er hatte, leider!

Wie wir im Falle Gurlitt erleben durften: Die Zeit heilt keine Wunden. Wenige Kunsthändler retteten, darunter auch Hildebrand Gurlitt, die sog. entartete Kunst vor der Vernichtung. Am 20. März 1939 wurden nach offizieller Verlautbarung 1004 Gemälde und 3825 Grafiken verbrannt. Es handelte sich dabei um jene Werke, die nicht verkauft werden konnten. Ein unfassbarer Verlust!

Aber ebenso unfassbar ist, wie die Sammlung Gurlitt die Kunstszene in einen kriegsartigen Zustand versetze. Erst der Tod des armen Mannes erlöste ihn von einer seltsamen Bürde. Was für ein Gefühl muss es gewesen sein, mit Werken von Chagall, Matisse, Klee, Nolde und Picasso zu leben? Seine Aussage: „Mehr als meine Bilder habe ich nichts geliebt“ mag versponnen anmuten, aber alleine die Vorstellung bei mir zuhause hingen all diese Gemälde, ich hätte Herzklopfen bis zum Hals und würde jeden Morgen völlig aufgeregt nachsehen, ob alles noch da ist. Gäste? Keine Gäste mehr? Freunde? Auch keine Freunde mehr.

 

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